Best Practice: Das BBC iPhone App

(digidaydaily.com) am 27.07.2010

bbc-app-for-iphoneDer Launch eines Apps ist immer spannend. Insbesondere wenn es das App eines medialen Giganten wie der BBC ist.

Nun ist die BBC sicherlich reichweitenstark genug, um einen gewissen Erfolg des Apps frei Haus zu bekommen. Das App ist jedoch so außergewöhnlich erfolgreich, dass sich der Blick über den Tellerrand ins Königreich lohnt, um die Stärken der neuen iPhone Anwendung kennen zu lernen

Zusätzlich schürt dieses App ein Feuer um den schwelenden Überlebenskampf von klassischen Print-Zeitungen und ist somit auch ein Politikum.

Experten und Analysten schon lange vorhergesagt, dass digitale Endgeräte ernsthaft den Markt für gedruckte Nachrichten beschädigen könnten - wenn nicht sogar ersetzen - und das war vor der Verbreitung von iPhone, IPAD und Kindle. Nach Ansicht einiger Mitglieder der Newspaper Publisher's Association (NPA), dem größten Berufsverband der britischen nationalen Zeitungen, ist diese finstere Zukunft jetzt gekommen. Der Todesstoß der schreibenden Zunft soll dabei beim neuen iPhone App von BBC liegen.

Die BBC hat ihr iPhone App Release bereits im Februar zum ersten mal angekündigt. Schon damals äußerte die NPA ihre Besorgnis über das App laut und deutlich:

"Der Start von BBC mobile stellt eine wesentliche Änderung des BBC Online-Dienstes dar und wir glauben, es werde eine erhebliche negative Auswirkung auf den Markt und auf die Tragfähigkeit der Geschäftsmodelle von kommerziellen Nachrichten-Organisationen im Print- wie im Bereich der Apps geben." David Newell, Direktor der NPA fordert weiter, BBC müsse auch "Platz für andere Anbieter lassen". Eine Forderung, die auf einem freien Markt selten so formuliert wird.

Der Sprung in die Gegenwart zeigt: die Warnungen waren gerechtfertigt. Obwohl einige Verlage - wie die von The Guardian und The Financial Times eigenen Apps anbieten, stehen sie doch dem Goliath der BBC gegenüber.

Große Vorteile für die staatlich geförderte BBC

Analysiert man die Gründe für den großen Erfolg des Apps von BBC fallen zwei Punkte besonders schwer ins Gewicht:
Die schiere Größe von BBC ermöglicht eine News-Aggregation, die von der Konkurrenz kaum zu bieten ist. Die Vielfalte der Inhalte und die gezielte Suche auch nach Nischenthemen über das App macht die Anwendung zu einer Fundgrube von Informationen zu jeglichem Thema. Zweitens gibt es den Faktor der Preisgestaltung. Kostenlose Apps verbreiten sich im Vergleich zu kostenpflichtigen um ein Vielfaches schneller - Das BBC-App ist völlig kostenlos, nicht zuletzt, weil die staatlich geförderte BBC nicht auf die kommerzialisierung des Apps über einen Kaufpreis angewiesen ist

Von Fremdlinks und Individualisierung

Aber es gibt neben den bloßen Wettbewerbsvorteilen der BBC auch für den App-Entwickler und Strategen Punkte, die zur Nachahmung empfohlen werden können: BBC Reporter verlinken auch gezielt zu verwandten Inhalten aus anderen Websites und verringern damit die Wahrscheinlichkeit, dass Benutzer die News-App eines anderen Unternehmens testen müssen, um gewünschte Informationen zu finden. BBC verlässt sich also nicht auf die eigene Größe alleine, sondern besitzt auch die geistige Größe auf fremde Inhalte hinzuweisen - sehr zu Ihrem Vorteil.
Es gibt sogar einen Anflug von iGoogle, denn das BBC App lässt die Benutzer ihre Nachrichten-Feeds je nach Region, Thema oder allgemeinem Interesse anpassen. Offenbar will die BBC ihr iPhone News-App zu einem "one stop shop" für top aktuelle News werden

 

Die Kommerzialisierung eines kostenlosen Apps

Es berichtet wurde, plant die BBC das kostenlose App durch Anzeigen in einen Umsatzbringer zu verwandeln - insbesondere im lukrativen U.S. Markt. Das App soll auch an BBC Sport und dessen iPlayer Video Platform angebunden werden. Zwischenzeitlich sind auch Apps für BlackBerry und Android in Arbeit (lt. mocoNews)

Der Erofolg von BBC's mobilem App ist beachtlich: in den USA ist das iPad App am ersten Tag der Veröffentlichung mit einem gewaltigen Satz auf den 12. Platz der beliebtesten Apps gesprungen. Auch hier bei uns darf man dabei nicht vergessen: aus englischen Wurzeln gewachsen liefert die BBC heute News und digitalen Content in 32 Sprachen - der Beginn einer weltweiten BBC-Content Invasion?





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