Beliebtheit von Evasi0n Jailbreak Tool ungebrochen


Evasion-jailbreaking-tool.jpgDas Jailbreaking Tool Evasi0n ist enorm beliebt unter iOS Benutzern. Laut Forbes wurde die Software in nur 4 Tagen, über 7 Millionen mal gedownloadet. Könnte das ein Zeichen dafür sein, dass die Konsumenten unzufrieden sind, mit Apples geschlossenem Ökosystem und ein offeneres Betriebssystem bevorzugen würden? Von Apples mobilem Betriebssystem iOS kommt ca. 1mal pro Jahr ein Update. Viele Jailbreaker hoffen jetzt natürlich, dass iOS7 offener wird als seine Vorgängerversionen.

 

Das Konzept eines „offenen“ mobilen Betriebssystems

Zunächst widmen wir uns einmal dem Mythos des „offenen“ Betriebssystems. Ein offenes Betriebssystem ist im Wesentlichen ein OS, welches dem Anwender gestattet, so viel oder so wenig wie gewünscht, an seinem Betriebssystem anzupassen – zu personalisieren. Während die weitläufige Meinung kursiert, dass Googles Android Plattform „offen“ sei, ist der Schöpfer von Cydia, Jay Freeman da einer ganz anderen Meinung, wie er die IBTimes wissen ließ:

 

„Android ist nicht offen, im eigentlichen Sinne“, sagt Freeman. „Es ist eigentlich irreführend das System als offen zu bezeichnen, da die Betriebssysteme und Oberflächen ja nicht von den Usern programmiert würden, sondern von den Hardwareherstellern. Für letztere ist es in der Tat „offen“, weil die Struktur des Systems und die Art der Lizenzierung (Open Source) so gestaltet sind, dass sie für den Entwickler modifizierbar bleiben. Dabei bleibt die Kontrolle über wie offen das System tatsächlich ist, bei den Herstellern.“

 

„Auch als Developer Plattform ist Android nur bedingt offen: Wie eben bei Apple auch, muss sich der Entwickler auf kleine Boxen beschränken. Klar, jeder kann eine Android App schreiben und muss diese nicht zwangsläufig über Google Play vermarkten. Aber kann man den Lock-Screen ändern? Kann ein individueller Status-Balken programmiert werden? Nein. Diese Standartfunktionen lassen sich nicht abändern, weil Android - ebenso wenig wie iOS auch - schlichtweg keine Möglichkeiten hierfür bereithält. Die einzigen Funktionalitäten, die sich bei Android flexibler gestalten lassen, als bei iOS sind: Erstens die Launcher, zweitens das Keyboard und drittens die Widgets.”

 

Jailbreaken erfreut sich hoher Beliebtheit

In dem Moment, in dem ein iOS Gerät gejailbreakt, bzw. ein Android Handheld gerootet wird, entpuppt sich das Betriebssystem als gänzlich flexibler und individuell gestaltbar. Und betrachtet man nun die Anzahl der Benutzer, die sich das Evasi0n Jailbreak Tool bereits gedownloadet haben, seit es am 4. Februar veröffentlicht wurde, so scheint ein offenes Betriebssystem das Objekt der Begierde für viele Verbraucher zu sein.

Der Grund dahinter ist denkbar einfach: Wenn die Benutzer Ihre Geräte nicht individuell anpassen wöllten, würden sie ja nicht Ihre mobilen Gadgets rooten oder jailbreaken. Die Tatsache, dass nach nur 4 Tagen, über 7 Millionen User Ihre iPhones gejailbreakt hatten, bedeutet dass Apple etwas produziert, das der Verbraucher geändert haben will. Apple hingegen lässt vermerken, dass es eher unwahrscheinlich sei, dass das Jailbreaken einen Einfluss auf Apples Philosophie eines geschlossenen Betriebssystems haben wird.

 

Wird Apple iOS öffnen?

Analysten, Fans, Entwickler und sogar hochrangige Apple Entscheider beschwören die Company seit langem, das Betriebssystem iOS nun doch bitte endlich zu öffnen. Vor ein paar Wochen twitterte pod2g, einer der Mitglieder des Evad3rs Team welches das Evasi0n Jailbreak Tool entwickelt, an seine 418.000+ Follower, dass er sich wünschte, dass Apple doch eines Tages sein mobiles Betriebssystem öffnen möge. Der Tweet entfachte eine Twitter Petition, namens “WeWantAnOpeniOS”, über welche inzwischen über 11.000 Unterschriften gesammelt wurden.

So äußerte im Mai 2012 auch Steve Wozniak, einer der Mitbegründer von Apple, öffentlich den Gedanken, dass es durchaus Sinn ergäbe, das iOS Betriebssystem für alle User zu öffnen. Auf einem Event in Australien sagte Wozniak: „Ich denke, dass Apple genauso stark und gut sein kann, wenn sein Betriebssystem offen wäre. Aber wie lässt sich diese Diskussion überhaupt führen, wenn Apple doch so enorm viel Geld mit seiner (Aussperr-)Strategie verdient?“.

 

Es liegt tatsächlich nahe, dass das liebe, gute Geld der Hauptgrund dafür sein könnte, dass Apple sich weiterhin strikt dagegen wehrt, auch nur minimale Tweaks und Fixes für iOS, von Cydia zuzulassen. In einem Artikel in dem es um Apples Zukunft bei offenen Plattformen geht, stellte die Electronic Frontier Foundation fest, dass Apple zu viel Geld mit dem App Store verdiene, um iOS auch nur ein klein wenig öffnen zu können. Apple sackt immerhin 30 Prozent der Umsätze im App Store für sich ein, was so viel bedeutet wie Apple behält 29.7 Cent von jeder 99-cent App – Der Entwickler bekommt 69,3 Cent. Falls Apple jedoch den iTunes-App-Store ummodeln würde, in die Richtung hin gehend, den App Entwicklern mehr von den Umsätzen abzugeben, könnte der iTunes Store dadurch für mehr iOS Developer attraktiv werden. Ob die Jahresumsätze für den App-Store, deswegen gleich hoch bleiben würden, ist allerdings zu bezweifeln.

 

Für App Entwickler ist Cydia der weitaus lukrativere Marktplatz, weil ein größerer Prozentsatz von den Einnahmen in Ihre Taschen fließt. Jedoch sind die 4,5 Millionen Cydia User ein Klacks, verglichen mit den 500 Millionen Geräten, die auf den iTunes Store zugreifen.

Zudem ist Apple notorisch gegen das Jailbreaken. Google wiederum verkündet nach außen hin, dass: „Android users are free to do whatever they please with its software“ und schirmt dann nach innen hin die Geräte aber drastisch gegen Manipulationen ab. Apple geht sogar noch einen Schritt weiter, indem sie die Hardware systematisch gegen Zugriffe auf den Quellcode oder auf die Administrator Ebene sperren.

 

Deshalb könnte die Öffnung von iOS durchaus eine bereichernde Sache für Apple sein. Der Konzern kommt seinen Konsumenten neuerdings entgegen, indem er die inoffiziellen Einschränkungen, Richtlinien und Standards lockert. Zum Beispiel, als iPhone Besitzer anfingen, sich über das kleinere Display des iPhone 4S im Vergleich zum Galaxy S3, zu beschweren, wurde dies seitens Apple erkannt und umgesetzt. Im September 2012 gaben die Kalifornier bekannt, dass sie zum ersten Mal das Design des iPhone 5 grundlegend verändert hatten, indem die Größe des Displays von 3,5 auf 4 Zoll heraufgesetzt wurde.

Das iPad Mini ist das nächste, jüngst vorliegende Beispiel dafür, dass Apple zum Wohle des Konsumenten mit seinen eigenen Vorgaben bricht. Das Ganze begann im Jahre 2010, als Steve Jobs damals sagte: „7-Zoll Tablets sind ein Dead-On-Arrival“. Apple hat den Tablet Markt zwar ins Rollen gebracht, aber seither extrem Marktanteile verloren, nämlich an Android Tablets wie dem Kindle Fire oder dem Nexus 7. Kleinere Tablets wurden quasi über Nacht zum Kassenschlager und Apple musste feststellen, dass sie potenzielle Kunden und Umsätze einzubüßen hätten, falls Sie hartnäckig an Ihrer Richtlinie festhielten. Und so kam es, dass nur 2 Jahre nachdem Steve Jobs die 7 Zöller zunichte redete, Apple im Oktober 2012 das 7,9-Inch iPad Mini auf dem Markt brachte, welches seither ein großer Erfolg für Apple ist.

 

Ganz eindeutig hat sich das Hinbewegen zu Kundenbedürfnissen für den Tech Riesen aus Cuppertino also bezahlt gemacht. Die Öffnung des Betriebssystems, wenn auch nur in kleinem Maße, könnte demnach eine weitere Option sein, die Apple auf keinen Fall einfach unter den Teppich kehren sollte.

 

Die Zukunft der mobilen Betriebssysteme

Jailbreaking ist populär und scheint sich immer größerer Beliebtheit zu erfreuen. Im Zuge von fixen Erscheinungsterminen, gepuschter Vorfreude und der immer größer werdenden Anzahl an iOS Geräten, erhalten die Releases von Jailbreak-Tools wie Evasi0n, nahezu ebenso viel Aufmerksamkeit wie Apples berühmte Produkt Veröffentlichungen.

Jedoch ist die Vorstellung eines „offenen“ Betriebssystems, sei es seitens Android oder seitens Apple, essenziell falsch. Keine der beiden Plattformen ist wirklich offen im Sinne der eigentlichen Begrifflichkeit, es gibt lediglich unterschiedlich ausgeprägte Formen von geschlossen. Obwohl die Benutzer gerne ein offeneres iOS hätten und Apple in letzter Zeit anfängt seine starren Beschränkungen zum Wohle der Company und zum Wohle der Community gleichermaßen, zu lockern, scheint eine tatsächliche Öffnung des iOS Betriebssystems derzeit leider zu schön um wahr zu sein.

Und obwohl die Zeit sicherlich reif wäre, für eine Generalüberholung von iOS, angefangen damit, es in Open-Source zu überführen, wird Apples Rigidität gegenüber dieser Thematik dazu beitragen, dass User weiterhin dazu gezwungen werden, Jailbreaking Tools wie Evasi0n zu benutzen.  





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