Location Based Services in mobilen Apps - Studie

Smartphone mit Location Based Service App

Location Based Services, also standortbezogene Dienste, sind die große Stärke von Smartphones, bieten diese doch per GPS und GSM die Möglichkeit, den Standort der Users genau (GPS) und schnell (GSM) zu ermitteln. Wir werden in diesem Artikel einen kleine Einführung in die Thematik geben, anhand innovativer Apps vorstellen, wie man mit Standortdaten einen hohen Nutzen für eine App generieren kann und wie das mit dem Datenschutz aussieht.

Location Based Services als Überbegriff standortbasierender Anwendungen lässt sich in einige Unterkategorien klassifizieren, auf die wir nachfolgend näher eingehen möchten. Am bekanntesten ist vielleicht das "Location Based Advertising", also die gezielte Aussendung von Werbung, sobald der potenzielle Kunde sich einer Verkaufsstelle des werbenden Unternehmens nähert.

 

Kategorien von Location Bases Services

 

Location based advertising by subway

Mit der standortbezogenen Werbung wird der Traum eines jeden Werbers von geringstmöglichen Streuverlusten und höchster Werbewirksamkeit wahr: Der User kann sich entweder über firmeneigene Apps oder findige Dienste wie Groupon über Angebote von Läden und Restaurants in seiner nächsten Umgebung informieren lassen. Der User hat dadurch, zumindest subjektiv, das Gefühl über die Sonderangebote ständig Schnäppchen zu machen, die werbenden Unternehmen haben gute Chancen auf zusätzliche Verkäufe.

Ein Beispiel aus der Praxis: Läuft man an einem Subway-Restaurant vorbei, bekommt man mittels MMS eine Nachricht mit neuen Angeboten und Rabatten die es gerade gibt. Somit erhofft sich das Fast-Food Restaurant die Laufkundschaft, die eigentlich nicht vor hatte einen Sub zu essen, so zu manipulieren das doch plötzlich der Wunsch auf ein Sub aufkommt und das Restaurant spontan besucht wird. Das Ganze wird zur Zeit lediglich in Großbritannien praktiziert, aber es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis diese Marketingstrategie auch in Deutschland angewendet wird. Werbung für mobile Endgeräte stieg in den letzten Jahren rapid an. Location Based Advertising ist nur eine Ausprägung davon. Dennoch entsprach der Umsatz für Location Based Advertising 2010 rund 588 Millionen USD, dies sind 18,5% des Marktes für mobile Werbung. Global Industry Analysts prognostizieren einen Umsatz von 12,8 Milliarden USD für das Jahr 2017.

 

Location based shopping

Das Smartphone wird mit Hilfe von bestimmten Apps als Shoppingbegleiter eingesetzt.

Eine All-In-One-App, die einem das Leben und das Shoppen erleichtern soll ist poynt. Mit ihr kann man das nächste Geschäft, das nächste und beste Restaurant, seine Freunde in der Gegend oder die günstigste Tankstelle in der Umgebung finden. Es können aber auch Infos über Filme, das Wetter, die Stadt oder aktuelle Angebote in der Umgebung genutzt werden.

Man läuft also durch die Stadt und bekommt Angebote und Rabatte oder auch Bonuspunkte von Geschäften in der näheren Umgebung.

 

Eine interessante Anwendung die dies umsetzt ist shopnow von der sprylab technologies GmbH. Diese App ermöglicht dem User, beim Bummeln durch die Stadt personalisierte Angebote sowie Informationen zu den Geschäften zu erhalten. Das Ganze läuft auf ein Bonusprogramm hinaus: Es können Sterne gesammelt werden die später gegen Prämien eingetauscht werden. Das Sternesammeln ist hier auch ganz einfach. Schon beim Betreten des Ladens erhält man Sterne aber auch für das Scannen von beworbenen Produkten.
Die Shopnow App gibt es bereits seit Februar 2014 in Berlin und Hamburg und es machen über 200 Händler bei diesem Programm mit.

 

Eine weitere App die das Orientieren in der Umgebung erleichtert ist yelp. Über diese Anwendung kann man Restaurants, Bars oder Tankstellen ganz leicht in der Nähe finden, zudem kann man die Bewertungen von anderen Usern lesen, oder selbst welche schreiben, um immer das beste Essen, oder den besten Preis zu bekommen. Über GPS kann man sich zudem zum gewünschten Ziel führen lassen.

 

Standortservices mit Spaßfaktor: Location based games

Location Based Games, auch als Pervasive Games bezeichnet, nutzen den Standort des Spielers, um über die Ortsveränderung des Spielers in den Spielverlauf einzugreifen.

Ein Beispiel hierfür ist das Spiel Ingress. Der User muss helfen die Welt zu retten, da eine mysteriöse Energie auf der Erde entdeckt wurde, die Wissenschaftler kennen den Ursprung und die Verwendung von dieser Energie nicht, denken aber, daß es die Denkweiße der Menschen beeinflusst. Nun kann man sich entscheiden ob man zum grünen Team den „Erleuchteten“ gehören will, die diese Macht für sich nutzen möchten oder ob man zum blauen Team dem „Widerstand“ gehören will - dieses versucht, die Menschheit vor dieser ungewissen Macht zu schützen. Der User spielt, indem er sich in der realen Welt mit seinem Smartphone fortbewegt. Überall auf der Welt ist die mysteriöse Energie zu finden und kann vom User angezapft werden. Er kann Objekte im Spiel erwerben die ihm hilft sein Team zu unterstützen, es können verschiedene Technologien eingesetzt werden, um Gebiete zu erobern, zudem kann er sich mit anderen Usern verbünden um das eigene Team zu stärken und vorzubringen. Damit die Sicherheit der Spieler gewährleistet wird, kann man nicht im Spiel agieren wenn man schneller als 50 h/km bewegt. 

 

Foursquare ist eine weitere App die unter die Kategorie Location Based Games fällt. Sie beinhaltet aber auch alles was zu Location Based Shopping gehört, wie z.B. die Auskunft über Sehenswürdigkeiten oder interessante Orte in der näheren Umgebung. Der User wird hier jedoch noch dazu animiert durch Check-Ins in Locations gewisse Auszeichnungen zu bekommen. Zum Beispiel muss man bei einem Spiel in mindestens vier verschiedene Locations in einer Nacht einchecken um die Auszeichnung zu erhalten.

 

Erwähnenswert ist auch die App Tripventure: Sie bietet viele kleine Spiele, um die Stadt in der man sich befindet zu erkunden. Der User muss sich hierfür in der Stadt aufhalten und wird mittels GPS durch die reale Stadt und dadurch durch das Spiel geleitet. Für jeden ist etwas dabei. Man kann einen Krimi lösen indem man in die Rolle eines Inspectors schlüpft oder als Agent in der Mission Mauerfall mitwirken. Ein weiteres Spiel ist SecretCity wo es die Rätsel der Stadt zu lösen gilt und Verschwörungen aufzudecken sind. Aber auch für Kinder und Familien gibt es ein Spiel indem man mit einer Scharbe auf Pizzajagt durch die ganze Stadt gehen kann.

 

 

Technische Umsetzung von Location Based Services

Positionierung durch das Endgerät

Location-Based-Service-GrafFür die technische Umsetzung von Location Based Services (LBS) benötigt man mehrere Komponenten.

Eine einfache Erklärung des Vorgangs :

1. Das Smartphone oder ein anderes mobiles Endgerät fordert beispielsweiße über GPS seine Positionsdaten an.

2. Über eine App sendet der User eine Anfrage an den Service-Anbieter über seine Internetverbindung.

3. Der Anbieter gleicht seine Datenbestände mit der Anfrage des Users auf ein entsprechendes Ergebnis ab und

4. sendet dies über die Internetverbindung an das Smartphone des Users zurück.

 

Ortung des Users durch "beacons"

Eine andere Möglichkeit ist die Ortung mittels iBeacon. iBeacon wurde 2013 von Apple vorgestellt und ist Standard bei der Ortung in geschlossenen Räumen. Ab iOS 7 oder Android 4.3 ist iBeacon nutzbar.

Mit dieser Technologie lässt sich der User schnell und einfach, durch sogenannte Beacons (Leutfeuer) orten. Beacons sind kleine Sender dievor Ort, zum Beispiel in einem Geschäft angebracht werden. Sie senden in einem bestimmten und festgelegten Zeitintervall Signale. Wenn eine Person mit einem Smartphone, welches diese Technologie unterstützt und die passenden Apps installiert hat, das Geschäft betritt, kann das Smartphone identifiziert und dessen Signalstärke gemessen werden. Beacons können jedoch keine Nachrichten auf das Smartphone senden oder Daten über den Nutzer sammeln, sondern senden lediglich Informationen über sich selbst. Die Beacons erreichen hierzu eine Reichweite bis zu 30 Metern und verbrauchen zudem nur sehr wenig Strom.

Der große Vorteil ist, dass der Standort des Users damit auch bei mangelnder Sichtbarkeit durch Satelliten oder ausgeschaltetem GPS bestimmbar ist. Wenn sich drei Beacons in der Nähe des Smartphones befinden kann die Position des Users in einem 2D-Raum errechnet werden. Für eine Position im 3D-Raum werden mindestens vier Beacons benötigt. Dadurch wird die Navigation in geschlossenen Räumen möglich, was insbesondere z.B. für Messe- und Museen Apps sehr hilfreich ist.

Seit iOS 7 ist es sogar möglich, dass auf dem Endgerät installierte Apps, die auf iBeacons basieren, automatisch starten, wenn der User in den Abstrahlbereich eines iBeacons eintritt - und das selbst, wenn die App nicht geladen ist, also auch nicht im Hintergrund läuft. Damit ergeben sich für Anbieter und Entwickler sehr interessante Möglichkeiten, den Kunden per iBeacons zu adressieren. Die Registrierung dafür erfolgt über das Core-Location-Framework, das dem Vernehmen nach leichter zu erschließen ist, als das der Bluetooth Core.

 

 

Kritik an standortbezogenen Apps

Gute Erfindung, oder?

Die kontinuierlich steigenden Downloadraten in den App-Stores beantworten die Frage mit einem klarem JA. Hat man sich einmal an den Komfort dieser Technologie gewöhnt möchte man nicht mehr darauf im Alltag verzichten.

Doch wie das bei neuen Technologien so ist gibt es auch deutliche Stimmen die sich dagegen aussprechen. Die Apps können Tag wie Nacht meinen Standort analysieren.

 

Was passiert mit meinen Daten?

Die Frage ist berechtigt und die Angst vor einer ständigen Überwachung ist durchaus gerechtfertigt. Das Telemediengesetz schreibt zwar vor das die Daten nur für die Anwendung genutzt werden dürfen, d.h. die Daten dürfen nicht gespeichert werden oder sie müssen gelöscht werden sobald die App geschlossen wird. Doch ob sich die Firmen daran halten steht wohl in den Sternen.

Die Privatsphäre wird aber durch diese Apps auf jeden Fall beeinträchtigt. Durch die Freigabe des Standortes verrät man wo man sich gerade aufhält. Für Stalker ein gefundenes Fressen.

 

Übertriebene Angst?

Doch selbst wenn man das Ganze für übertriebene Angst hält, sollte man noch einmal gründlich darüber nachdenken. Durch den Standort teilt man der Welt auch mit, daß man gerade nicht zu Hause ist. Sehr gut wenn man in der Einbruchs-Branche tätig ist. Auch Versicherer denken bereits über dieses Thema nach. Die Gerüchteküche brodelt. Angeblich sollen Kunden die ihren Standort öffentlich machen in Zukunft eine Zusatzprämie zahlen.

 

Schafft das der Akku?

Doch von der ganzen Angst mal abgesehen haben Location Based Services noch ein ganz anderes Problem. Die Standortermittlung per GPS ist ein Stromfresser und verkürzt die Nutzungsdauer des Smartphones bis zur nächsten Ladepause. Entwickler sollten daher bei der Konzeption der App darauf achten, die Position so selten als möglich abzufragen und wenn es dem Geschäftsmodell nicht entgegensteht, gänzlich auf das dauerhafte Tracking der Route zu verzichten.

 

LOCATION BASED SERVICES ALSO DOCH KEINE GUTE ERFINDUNG UND NUR EINE MODEERSCHEINUNG?

Experten bezweifeln das. Die steigende Begeisterung für solche Anwendungen und die große Anzahl von Entwicklern die diese Technologie nutzen sprechen Bände.
Das Potenzial von standortbezogenen Diensten ist zudem noch lange nicht ausgeschöpft. In Zukunft kann man vielleicht schon automatisch beim Verlassen des Geschäftes oder des Restaurants bezahlen. Es gibt unzählige Möglichkeiten wie Location Based Services genutzt werden können und wir werden wohl in naher Zukunft viele neue Anwendungen entdecken die unseren Alltag noch einfacher und noch überwachter gestallten.

 





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